Die grüne und nachhaltige Alternative zur Kassettentoilette – Trockentrenntoilette für Wohnmobil und Camping

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Trockentrenntoilette, Trockentoilette, Trenntoilette oder auch Komposttoilette werden diese nachhaltigen, grünen Alternativen zur Kassettentoilette genannt.

Die Sache mit dem „Müssen“

Jeder Mensch muss mal „müssen“.

Egal ob zu Hause, beim Job oder beim Reisen. Durchschnittlich anderthalb bis zwei Liter Urin plus Feststoffe scheidet ein gesunder Erwachsener täglich aus, wozu er, rein statistisch gesehen, bis zu sieben Mal die Toilette aufsucht. Zu Hause im trauten Heim oder beim Job im Büro macht man sich über solche Nebensächlichkeiten keinen Kopf. Toilettendeckel hoch, kleines oder großes Geschäft erledigt, mit Toilettenpapier geputzt, dann ordentlich gespült und fertig! Alles easy.

Anders sieht es beim Reisen aus. Vor allem, wenn man mit dem Wohnmobil oder dem Wohnwagen unterwegs ist. Da kommt das Frischwasser für die Spülung nicht aus der Versorgungsleitung und die flüssigen wie festen Ausscheidungen landen nicht automatisch in der Kanalisation. Wie funktioniert das also mit dem „Müssen“ beim mobilen Reisen?

Am Anfang war das Plumpsklo

Als Camping in den Kinderschuhen steckte, schulterte man den Klappspaten und machte sich auf ins Gebüsch. Auf Campingplätzen stiefelte man anfänglich mit der eigenen Klorolle unter dem Arm aufs Plumpsklo. Das wurde zwar streng nach Männlein und Weiblein getrennt aufgestellt, stank aber im Sommer zum Himmel. Der Einzug von modernen Sanitäranlagen auf Campingplätzen brachte Erleichterung. Nur, dass das „stille Örtchen“ nicht so still und privat wie zu Hause war. Schließlich teilte man es mit anderen Campinggästen. Und wer nachts bei Wind und Wetter raus musste, der verfluchte mitunter den Campingurlaub.

So kam schon bald der Wunsch nach der eigenen Toilette im rollenden Urlaubsdomizil auf. Frank Sargent, ein ideenreicher US-Amerikaner, erfand Anfang der 1960er Jahre eine portable Toilette mit Schüssel samt Deckel und Spülwassertank. Darunter lag, durch eine Schiebevorrichtung getrennt, der Schwarzwassertank. Die erste Kassettentoilette kam 1988 auf den Markt, heute wird sie in fast allen Reisemobilen eingebaut. Eine klassische Erfolgsgeschichte mit Happy End! Oder etwa doch nicht?

Wenn im Kassettentank das Grauen lauert

Wer nur einmal den prall gefüllten Kassettentank seiner Campingtoilette zur Entleerungsstation geschleppt und dort in den Ausguss geschüttet hat, weiß sofort, dass er dies eigentlich nie wieder tun möchte. Das Gemisch aus Flüssigkeit, Feststoffen und Toilettenpapier stinkt wie die Pest und sieht höchst unappetitlich aus. Selbst gestandene Mannsbilder haben trotz Schutzhandschuhen und Nasenklemme mitunter Probleme, die Entsorgungsprozedur würdevoll zu überstehen.

Abhilfe vom Ekelfaktor und vom Würgereiz sollen chemische Sanitärzusatzprodukte schaffen, die man in die Kassette gibt. Diese Chemieprodukte sind so ausgelegt, dass sie Toilettenpapier und Fäkalien zersetzen. Damit beim Ausgießen alles mühelos flutscht. So weit die Theorie. In der Praxis wechselt sich oft ein wässriger Schwall mit klumpigen Feststoffen ab. Wer den dadurch entstehenden Spritzern entgehen möchte, muss lange Arme haben oder machen. Zumal so eine gefüllte Toilettenkassette mal knapp 20 Kilogramm Lebendgewicht auf die Waage bringen kann!

Kläranlagen und die Natur mögen keine Chemiezusätze

Die gelb-braune Farbe der gesammelten Hinterlassenschaften versucht man, durch zugesetzte Farbstoffe optisch aufzubessern. Grün, Blau oder Lila kommt es damit aus dem Kassettentank, wodurch der Eindruck von „Natur pur“ vermittelt werden soll. In Wirklichkeit sind die chemischen Zusätze alles andere als umweltfreundlich. Deshalb dürfen die Kassettentanks, wenn chemische Sanitärzusätze zum Einsatz kommen, nur an speziellen Entsorgungsstationen entleert werden.

Der üble Geruch, der einen beim Entleeren der Kassettentanks fast aus den Flip-Flops kippen lässt, wird durch zugefügte Duftstoffe übertüncht. Die sind allerdings so penetrant, dass sie sich nach kurzer Zeit nicht nur auf das Wohnmobilbad beschränken, sondern im gesamten Fahrzeug herumwabern.

Richtig übel wird es, wenn diese chemischen Zusatzstoffe durch Unachtsamkeit oder Mutwillen in der Natur landen. Dadurch können ganze Ökosysteme zerstört werden. Dabei zieht es gerade uns Camper doch so gern in unberührte intakte Natur. Ohne Natur kein Camping. Ein Frevel, wenn wir sie durch unsere Hinterlassenschaften schädigen!

Die Kassetten-Entleerungs-Tyrannei

Abgesehen von der unappetitlichen Entleerung stellt sich bei der klassischen Kassettentoilette ein weiteres Problem: Sie ist immer dann voll, wenn man es am wenigsten braucht. Zum Beispiel, wenn man an einem glasklaren See in Schweden, einem wild-romantischen Fjord in Norwegen, in einem unberührten Tal in den Dolomiten steht. Oder wenn man bei einem Olivenbauern mitten im Olivenhain oder in einem schottischen Dörfchen direkt neben der Whiskydestillerie übernachten darf.

Das Herz sagt: „Ich will bleiben!“

Die Kassette mosert: „Ich bin voll, bring mich zur nächsten Entsorgungsstation!“

Wer da wohl den Kürzeren zieht?

Manche Camper verlängern die Entsorgungsintervalle, indem sie einen Ersatzkassettentank mitführen. Ist die erste Kassette voll, kommt flugs die zweite in den Kassettenschacht. Mit diesem Vorgehen verschafft man sich Zeit. Aber eine Lösung für das leidige Entsorgungsproblem ist das nicht. Die große Campingfreiheit hört in dem Moment auf, in dem man durch die eigene Toilette gezwungen wird, sich zur nächsten Entsorgungsstation aufzumachen.

Wie löst man das Toiletten-Dilemma beim mobilen Reisen?

Indem man umdenkt. Sich neu orientiert. In Sachen Toilette andere und dazu noch grünere wie nachhaltigere Wege geht.

Die Lösung ist im Prinzip einfach wie genial. Mit der Trockentrenntoilette für Wohnmobil und Camping schlägt man gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe.

 

Wie funktioniert eine Trockentrenntoilette?

Ganz einfach. Eine Trockentrenntoilette macht ihrem Namen alle Ehre, indem sie trennt – die flüssigen von den festen Ausscheidungen.
Anders als bei normalen Toiletten, gibt es bei der Trockentrenntoilette einen Auffangbehälter für den Urin und einen für die Feststoffe. Um diese Trennung beim Toilettengang mühelos zu bewerkstelligen, befindet sich in der Toilettenschüssel ein Trenneinsatz. Der ist so geformt, dass er die anatomischen Gegebenheiten des menschlichen Körpers berücksichtigt: Hinten befindet sich eine große Öffnung (je nach Modell mit oder ohne Klappe), durch die der Kot in den Feststoffbehälter fällt. Im vorderen Bereich fließt der Urin durch ein trichterförmiges Loch in den Urinbehälter. Meist handelt es sich hierbei um einen tragbaren Kunststoffkanister. Es besteht aber auch die Möglichkeit, einen festen Urintank einzubauen.

--> Mehr zum Thema: So funktioniert eine Trenntoilette, findest du hier (bitte klicken).

Feststoffbehälter in der Trockentrenntoilette – Streuen statt spülen

Der Feststoffbehälter ist im Prinzip nichts anderes als ein großer Eimer, der auf die Größe der Trockentrenntoilette zugeschnitten ist. Darin befestigt man einen Beutel (am besten aus kompostierbarem Material), in dem die Feststoffe aufgefangen werden. Auch das Toilettenpapier kann mit hineingegeben werden. Nach dem Toilettengang spült man nicht mit Wasser nach, sondern gibt eine Handvoll saugfähiges Streugut in den Feststoffbehälter. Deshalb wird die Trenntoilette manchmal auch als Trockentrenntoilette oder Trockentoilette bezeichnet. Das Streugut bindet die Restflüssigkeit und verhindert, dass unangenehme Gerüche entstehen. Als Streugut eignen sich unter anderem Kokosfasern, Sägespäne, feiner Rindenmulch sowie Kleintier- oder Katzenstreu. Wird ein kleiner Ventilator auf 12 Volt Basis angeschlossen, der für Belüftung sorgt, kann mitunter auf den Einsatz von Streugut verzichtet werden.

--> Infos über Trenntoilette/Trockentoilettentypen für Wohnmobil und Camping (bitte klicken)

Die Entsorgung: Beutel zu und ab in die Mülltonne!

Ist der Feststoffbehälter zu zwei Dritteln gefüllt, knotet man den Beutel oben zu und entsorgt ihn in der Restmülltonne. Mit Babywindeln wird ja ebenso verfahren! Das bedeutet, dass man zum Entleeren des Feststoffbehälters keine Entsorgungsstation mehr anfahren muss! Eine öffentliche Mülltonne, die man unterwegs fast überall findet, reicht völlig aus! Was für eine Erleichterung! Je nach Größe des Feststoffbehälters und der Anzahl der mitreisenden Personen wird eine Entleerung alle zwei bis drei Wochen fällig.

Oder den Beutel auf den Kompost geben

Eine Trockentrenntoilette für Wohnmobil und Camping eignet sich wunderbar für Gartenbesitzer, die die Möglichkeit zum Kompostieren haben. Sofern man 100 Prozent biologisch abbaubare und kompostierbare Tüten verwendet, können die gefüllten Tüten auf den Kompost gegeben werden, wo sie in knapp zwei Jahren verrotten. Ein Thermokomposter, in dem bei der Verrottung höhere Temperaturen entstehen, verkürzt den Kompostiervorgang und stellt sicher, dass eventuell vorhandene krankmachende Bakterien oder Keime abgetötet werden. So wird die Trenntoilette gleichzeitig zur Komposttoilette, aus der wertvolles Düngemittel für die Pflanzen im Garten gewonnen wird. Ein perfekter Kreislauf!

In der grünen oder braunen „Biotonne“ haben Beutel der Trenntoilette dagegen nichts zu suchen, da sie länger als normale Gartenabfälle zum Verrotten benötigen und den Entsorgern damit Probleme bereiten.

Feststoffbehälter mit Kurbel und Belüftung für größere Autarkie

Manche Trockentrenntoiletten für Camping und Wohnmobil funktionieren ohne Beutel und punkten deshalb mit noch größeren Entleerungsintervallen. Bei diesen Trenntoiletten-Typen sorgt eine im Feststoffbehälter angebrachte, von außen zu betätigende Kurbel in Kombination mit einem Ventilator zur Durchmischung und zur Belüftung des Mix aus Feststoffen und Streugut. Durch die konstante Belüftung wird den Feststoffen die Restfeuchtigkeit entzogen, was sowohl die Geruchsbildung verhindert als auch das Abfallvolumen verringert. Ist der Feststoffbehälter zu etwa zwei Dritteln voll oder lässt sich die Kurbel schwer bewegen, entnimmt man den Behälter und entsorgt das Ganze entweder in der Mülltonne oder auf dem Komposthaufen. Ohne dass man mit Nasenklemme oder Schutzhandschuhen hantieren muss. Und völlig ohne den Einsatz von Chemie.

--> Blog: Das solltest du beim Einbau einer Trenntoilette im Wohnmobil beachten (bitte klicken)

Was geschieht mit dem Urin aus der Trockentrenntoilette?

Auch hier muss niemand die Nase rümpfen. Der Urin wird vorne im Urinbehälter aufgefangen, der gegen Verrutschen oder Umkippen während der Fahrt gesichert ist. Ist der Urinbehälter fast voll, schraubt man den Deckel auf den Kanister und entsorgt den Urin entweder in einer normalen Toilette oder in der Kanalisation. Ohne dass es auf Schuhe oder Hose spritzt oder dass Feststoffe den Ausguss des Kanisters blockieren. Da Urin in der Regel bakteriologisch steril ist, können ihn Gartenbesitzer mit Wasser verdünnt zum Düngen verwenden. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass man keine Medikamente einnimmt.

Trennen, damit nichts mieft und müffelt

„Aber Urin stinkt doch!“

Das ist ein Einwand, den viele, die eine Trockentrenntoilette im Einsatz haben, regelmäßig verbal um die Ohren gehauen bekommen.

„Stimmt nicht!“, können Trenntoilettennutzer mit gutem Gewissen erwidern.

Urin stinkt erst, wenn er mit Feststoffen und mit Wasser vermischt wird und durch die einsetzenden Fäulnisprozesse, unter anderem Ammoniak, ausdampft. Genau das passiert bei der klassischen Kassettentoilette. Beim Entleeren stinkt es dadurch zum Himmel!

Wird der Urin wie bei der Trockentrenntoilette für Wohnmobil und Camping getrennt aufgefangen, müffelt nichts. Ein Übertünchen mit chemischen Zusätzen ist daher nicht notwendig. Eine Trenntoilette ist, sofern sie richtig betrieben wird, völlig geruchsneutral.

Trenntoilette – Ein Gewinn von kostbarer Urlaubszeit

Da Urin 90 Prozent der menschlichen Ausscheidungen ausmacht, muss der Urinbehälter der Trenntoilette öfter als der Feststoffbehälter geleert werden. Trotzdem bleibt einem die oft mühselige und zeitraubende Suche nach Entsorgungsstationen erspart, weil der Urin problemlos zum Beispiel in eine öffentliche Toilette oder in die Kanalisation geschüttet werden kann. So verliert man keine wertvolle Urlaubszeit! Eine Trenntoilette im Wohnmobil oder Wohnwagen bedeutet mehr „Quality Time“.

Mit der Trockentrenntoilette den eigenen Wasser-Fußabdruck reduzieren

Wasser beziehungsweise reines Trinkwasser ist ein wertvolles und zunehmend knapper werdendes Gut. Und damit viel zu schade, bei der Toilettenspülung buchstäblich den Bach runterzugehen.

Bei einer Kassettentoilette fallen bei zwei Personen pro Tag im Schnitt fünf bis sechs Liter Wasser für die Spülung an. Hat man im Wohnmobil einen Wassertank, der 100 Liter Frischwasser fasst, wird täglich ein Zwanzigstel des Bordwasservorrats allein für die Toilette vergeudet. Wäre es nicht sinnvoller, wenn man das Wasser einsparen und dadurch länger am Lieblingsort mitten im Wald oder am Meer verweilen könnte?

Mit einer Trockentrenntoilette im Wohnmobil ist genau das möglich. Eine Trenntoilette benötigt durch das erprobte und sichere Trennsystem keinen einzigen Tropfen Wasser. Das spart nicht nur Ressourcen, sondern auch Geld. Denn an den meisten Ver- und Entsorgungsstationen muss man für das Nachtanken von Frischwasser einige Euros lassen.

Was die Umweltfreundlichkeit betrifft, da punktet die Trockentrenntoilette fürs Wohnmobil gleich doppelt: Zum einen wird kein Trinkwasser für die Spülung vergeudet, zum anderen muss kein mit Urin und Feststoffen verunreinigtes Schwarzwasser in der Kläranlage wiederaufbereitet werden. Somit trägt die Trenntoilette wesentlich dazu bei, den eigenen Wasser-Fußabdruck zu reduzieren.

Pflege ohne Probleme

Ganz ohne Pflege geht es auch bei der Trockentrenntoilette nicht. Damit die Benutzung der Trockentrenntoilette hygienisch und angenehm bleibt, sollte der Trenneinsatz beziehungsweise die Toilettenschüssel täglich oder bei Bedarf mit etwas Essigwasser eingesprüht und mit Toilettenpapier ausgewischt werden. Das Toilettenpapier kann danach im Feststoffbehälter entsorgt werden.

Der Urinkanister sollte nach jeder Entleerung kurz mit einer Lösung aus Essig und Wasser oder in Wasser aufgelöster Zitronensäure ausgespült werden. Das verhindert die Entstehung von Urinstein, der nicht nur sehr hartnäckig sein kann, sondern unangenehm riecht. Wird der Feststoffbehälter ohne eine Tüte verwendet, sollte er nach der Entleerung ebenfalls ausgespült werden. Alles in allem gestaltet sich die Reinigung einer Trenntoilette aber fixer und unproblematischer als die einer Kassettentoilette, die mit vielen Ecken und Kanten aufwartet, an die man nur schwer herankommt.

Alles gute Gründe, sich für eine Alternative zur Kassettentoilette zu entscheiden.

Und wann steigst du auf eine Trockentrenntoilette um?

TEXT: Heike Kügler-Anger

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